Kitten-Ernährung in den ersten Wochen: Von der Geburt bis zur Beifütterung
Die Kitten-Ernährung in den ersten Wochen entscheidet maßgeblich darüber, wie gesund sich die kleinen Katzen entwickeln – und sie sieht völlig anders aus, als viele erwarten: Festes Futter spielt nämlich zunächst gar keine Rolle. Ich durfte diese besondere Zeit selbst begleiten, als meine Britisch-Kurzhaar-Katze Sammy Nachwuchs bekam. Von der Geburt bis zu den ersten tapsigen Schritten konnten wir jeden Entwicklungsschritt hautnah verfolgen. In diesem Ratgeber erfährst du Woche für Woche, was Kitten in den ersten vier Lebenswochen wirklich brauchen, woran du erkennst, dass alles gut läuft – und wann du eingreifen solltest.
Die schnelle Antwort
In den ersten vier Lebenswochen ist die Muttermilch die einzige und beste Nahrungsquelle für Kitten. Entscheidend sind dabei drei Dinge:
- die Aufnahme der Kolostralmilch (Biestmilch) innerhalb der ersten 24 Stunden, weil sie lebenswichtige Antikörper liefert,
- die tägliche Gewichtskontrolle – ein gesundes Kitten nimmt etwa 10 bis 15 Gramm pro Tag zu,
- eine energiereiche Fütterung der Mutterkatze, denn ihr Bedarf steigt während der Säugezeit stark an.
Erst ab der vierten Lebenswoche beginnt langsam die Beifütterung mit hochwertigem, fleischreichem Nassfutter oder Futterbrei. Kuhmilch ist tabu – bei Milchmangel der Mutter hilft ausschließlich spezielle Katzenaufzuchtmilch.
Die Geburt: So startet alles
Eine normale Trächtigkeit dauert bei Katzen etwa 63 bis 67 Tage. Kurz vor der Geburt sucht die Katzenmutter meist einen ruhigen, geschützten Ort auf. Viele Katzen werden anhänglicher oder unruhiger und verweigern kurzzeitig ihr Futter – das ist normal.
Nach Beginn der Wehen kommen die Kitten in Abständen von etwa 15 Minuten bis zu mehreren Stunden zur Welt. Die Katzenmutter übernimmt dabei normalerweise alle wichtigen Aufgaben selbst: Sie öffnet die Fruchtblase, durchtrennt die Nabelschnur, putzt die Kitten trocken, regt damit die Atmung an und lässt sie zum ersten Mal säugen. Dein Job in diesem Moment: beobachten, Ruhe bewahren und nur eingreifen, wenn wirklich etwas schiefläuft. Direkt nach der Geburt sollten die Kitten möglichst ungestört bei ihrer Mutter bleiben.
Die ersten Stunden: Warum die Kolostralmilch so wichtig ist
Das Wichtigste in den ersten Lebensstunden ist die Aufnahme der sogenannten Kolostralmilch (auch Biestmilch genannt). Diese erste, besonders gehaltvolle Muttermilch enthält Antikörper für das noch unreife Immunsystem, hochwertige Proteine, wichtige Vitamine und dringend benötigte Energiereserven.
Der Zeitfaktor ist entscheidend: Die Biestmilch sollte innerhalb der ersten 24 Stunden aufgenommen werden, denn danach kann der Darm der Kitten die Antikörper kaum noch in den Körper aufnehmen. Achte deshalb darauf, dass jedes Kitten in den ersten Stunden tatsächlich an einer Zitze trinkt – auch das schwächste des Wurfs.
Kitten-Ernährung in den ersten Wochen: Woche für Woche
Woche 1: Trinken, schlafen, wachsen
Neugeborene Kitten sind vollständig auf ihre Mutter angewiesen. Die Augen sind geschlossen, die Ohren noch angelegt, und ihre Körpertemperatur können sie selbst noch nicht regulieren. Das Geburtsgewicht liegt meist zwischen 80 und 120 Gramm, geschlafen wird bis zu 90 Prozent des Tages.
Die Ernährung besteht in dieser Phase ausschließlich aus Muttermilch. Eine Zufütterung ist nicht nötig, solange die Mutter ausreichend Milch produziert, die Kitten regelmäßig trinken und das Gewicht kontinuierlich steigt.
Deine wichtigste Aufgabe ist die tägliche Gewichtskontrolle – am besten immer zur gleichen Tageszeit mit einer Küchenwaage. Ein gesundes Kitten nimmt durchschnittlich 10 bis 15 Gramm pro Tag zu. Warnzeichen, die du ernst nehmen solltest: Gewichtsverlust, schwaches Saugen, ständiges Schreien oder ein kalter Körper.
Produziert die Mutter zu wenig Milch, hilft ausschließlich spezielle Katzenaufzuchtmilch aus dem Fachhandel oder von der Tierarztpraxis. Kuhmilch ist ungeeignet: Kitten können den Milchzucker schlecht verdauen, schwere Verdauungsprobleme und Durchfall sind die Folge.
Woche 2: Die Augen öffnen sich
Zwischen dem 7. und 14. Lebenstag öffnen sich langsam die Augen. Die Kitten werden aktiver und reagieren zunehmend auf Geräusche und Berührungen.
An der Ernährung ändert sich nichts: weiterhin ausschließlich Muttermilch – keine feste Nahrung, keine Snacks, keine Milchprodukte für Menschen.
Wer jetzt besondere Aufmerksamkeit verdient, ist die Mutterkatze: Ihr Energiebedarf steigt während der Säugezeit auf ein Mehrfaches des Normalbedarfs. Sie braucht jetzt ein besonders energie- und proteinreiches Futter mit hohem Fleischanteil, gern in mehreren Portionen über den Tag verteilt, plus jederzeit frisches Wasser. Eine gut versorgte Mutter ist die beste Garantie für gut versorgte Kitten.
Woche 3: Die Entdeckungsphase beginnt
Jetzt wird es lebendig: Die Kitten versuchen zu laufen, reagieren stärker auf ihre Umgebung, beginnen miteinander zu spielen und entwickeln erste soziale Fähigkeiten.
Trotz aller Aktivität gilt: Die Muttermilch bleibt die Hauptnahrungsquelle. Ein häufiger Fehler ist es, jetzt schon festes Futter anzubieten – für die meisten Kitten ist es dafür noch zu früh. Ihr Verdauungssystem ist auf Milch eingestellt, und die Mutter regelt das Tempo der Entwöhnung besser, als wir es könnten.
Woche 4: Der Start der Beifütterung
Ab der vierten Lebenswoche kannst du langsam mit der Beifütterung beginnen. Geeignet sind hochwertiges Kitten-Nassfutter, ein mit Katzenaufzuchtmilch angerührter Futterbrei oder spezielle Kitten-Pasten.
Das erste feste Futter sollte vier Kriterien erfüllen:
- leicht verdaulich sein,
- einen hohen Fleischanteil besitzen,
- frei von Zuckerzusätzen sein,
- ausreichend tierisches Protein liefern.
Biete den Brei lauwarm auf einem flachen Teller an und lass die Kitten in ihrem Tempo probieren – anfangs wird mehr darin gesessen als gefressen, und das ist völlig in Ordnung. Die Muttermilch bleibt auch jetzt noch die wichtigste Nahrungsquelle; die Beifütterung ergänzt sie nur. Wie es ab der fünften Woche weitergeht – mit Futtermengen, Fütterungsplan und der vollständigen Umstellung auf feste Nahrung – liest du im Ratgeber „Kitten richtig füttern: Die wichtigsten Grundlagen für die ersten Monate“.
Häufige Fehler bei der Kitten-Ernährung in den ersten Wochen
Zu frühes Absetzen. Kitten sollten mindestens 12 Wochen bei ihrer Mutter bleiben. Die Ernährung ist nur ein Teil der Entwicklung – ebenso wichtig sind Sozialverhalten und das Lernen innerhalb der Katzengruppe.
Zu früh festes Futter anbieten. Vor der vierten Woche ist das Verdauungssystem noch nicht bereit. Geduld zahlt sich aus.
Kuhmilch geben. Der Klassiker mit Folgen: Milchzucker führt bei Kitten häufig zu Durchfall und Magen-Darm-Problemen. Bei Milchmangel ausschließlich Katzenaufzuchtmilch verwenden.
Ungeeignetes Futter für die Beikost. Normales Futter für erwachsene Katzen deckt den hohen Energie- und Proteinbedarf wachsender Kitten oft nicht ab.
Das Gewicht nicht kontrollieren. Regelmäßiges Wiegen ist die wichtigste Gesundheitskontrolle der ersten Lebenswochen – Gewichtsstillstand fällt sonst erst auf, wenn es kritisch wird.
Die Mutterkatze vergessen. Wer nur auf die Kitten schaut, übersieht leicht, dass die Mutter jetzt deutlich mehr und energiereicheres Futter braucht.
Wann zum Tierarzt?
Bei neugeborenen Kitten zählt jede Stunde – sie haben kaum Reserven. Kontaktiere zeitnah eine Tierarztpraxis, wenn:
- ein Kitten an Gewicht verliert oder über 24 bis 48 Stunden nicht zunimmt,
- ein Kitten schwach saugt, sich kalt anfühlt oder ständig schreit,
- ein Kitten apathisch wirkt oder sich von der Mutter absondert,
- Durchfall auftritt – bei so jungen Tieren schnell gefährlich,
- die Mutterkatze Fieber hat, das Gesäuge entzündet wirkt, sie die Kitten verstößt oder kaum Milch produziert,
- die Geburt stockt: starke Wehen über längere Zeit ohne Kitten oder eine sichtbar erschöpfte Mutter sind ein Notfall.
Im Zweifel gilt immer: lieber einmal zu früh anrufen als einmal zu spät.
Häufige Fragen zur Kitten-Ernährung in den ersten Wochen (FAQ)
Was fressen Kitten in den ersten Wochen? In den ersten drei Lebenswochen ausschließlich Muttermilch. Erst ab der vierten Woche beginnt langsam die Beifütterung mit leicht verdaulichem, fleischreichem Kittenfutter oder Futterbrei.
Wie viel sollte ein Kitten pro Tag zunehmen? Etwa 10 bis 15 Gramm täglich. Wiege die Kitten jeden Tag zur gleichen Zeit und notiere die Werte – Gewichtsstillstand oder -verlust ist ein Warnsignal.
Was tun, wenn die Mutterkatze zu wenig Milch hat? Ausschließlich spezielle Katzenaufzuchtmilch zufüttern, niemals Kuhmilch. Lass dich zur Menge und Fütterungstechnik am besten tierärztlich beraten – bei Flaschenaufzucht müssen Kitten anfangs alle zwei bis drei Stunden gefüttert werden.
Ab wann dürfen Kitten festes Futter fressen? Ab der vierten bis fünften Lebenswoche, langsam und parallel zur Muttermilch. Die vollständige Entwöhnung zieht sich über mehrere Wochen.
Warum dürfen Kitten keine Kuhmilch trinken? Kitten können Laktose (Milchzucker) nur schlecht verdauen. Kuhmilch führt deshalb häufig zu Durchfall – und Flüssigkeitsverlust ist für so junge Tiere schnell lebensbedrohlich.
Wie lange sollten Kitten bei der Mutter bleiben? Mindestens 12 Wochen. In dieser Zeit lernen sie nicht nur das Fressen, sondern auch das katzentypische Sozialverhalten.
Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei Auffälligkeiten rund um Geburt und Aufzucht wende dich bitte immer an eine Tierarztpraxis.